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"Bauernopfer" - wer ist Schuld am Insektensterben?

November 11, 2017

 

Vorbei sind die Zeiten, als wir noch in den Sommermonaten bei Reisen mit dem Auto alle paar Kilometer die Windschutzscheibe von zerplatzten Insektenleibern reinigen mussten. Heute können wir teilweise mehrere hundert Kilometer fahren und finden trotzdem kaum tote Insekten auf der Scheibe. Wo sind die Insekten geblieben und wer ist verantwortlich für das Dilemma? Eine Spurensuche.

 

Wahrscheinlich haben viele von Euch in der letzten Zeit auch die Schlagzeilen in manchen Tageszeitungen oder in den Sozialen Medien gelesen: "Dramatisches Insektensterben - Rückgang um fast 80%!" Trotz der alarmierenden Zahlen scheint es nur wenige Menschen zu geben, die sich an diesen Fakten ernsthaft stören. Ein Grund dafür könnte natürlich sein, dass sich viele Menschen vor Insekten ekeln und sie lediglich als lästiges Ungeziefer betrachten. Doch ihre schlechte Lobby wird ihrer gewichtigen ökologischen Rolle nicht gerecht. Ohne Insekten bricht nämlich das Ökosystem zusammen! 

 

Insekten sind für unser Ökosystem unverzichtbar! Hier ein paar Fakten:

  • Sie bilden die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl weiterer Tiere wie z. B. Vögel, Säugetiere, Amphibien oder Reptilien.

  • Insekten sind die wichtigsten Pflanzenbestäuber. Sie sorgen durch das Sammeln von Nektar und Pollen für den Fortbestand der Pflanzenwelt und stellen einen erheblichen Teil unserer Ernährung sicher.

  • Insekten sind extrem wichtig bei der Zersetzung organischer Stoffe wie Pflanzenresten und Tierkadavern im Boden oder im Totholz.

  • In der Forst- und Landwirtschaft sind Insekten als Nützlinge nicht wegzudenken. Im Bio-Anbau ist die Förderung von nützlichen Insekten gar ein elementarer Bestandteil. Sie tragen quasi aktiv als biologische "Insektenvernichter" dazu bei, dass die Ausbreitung schädlicher Insekten in der Landwirtschaft eingedämmt wird.

Insekten in Not

Ohne Bienen, Hummeln, Fliegen und anderen Fluginsekten kann keine Bestäubung stattfinden. Viele Pflanzen und natürlich auch unsere Nutzpflanzen sind auf die fleißigen Insekten angewiesen. Aber die Folgen des massiven Insektensterbens geht weit über die "Bestäubungskrise" hinaus. Viele heimische Vogelarten haben unter dem drastischen Rückgang ihrer Nahrungsgrundlage zu leiden. Die gesamte Problematik breitet sich sukzessive auf alle Lebewesen aus und hat weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Die genauen Folgen lassen sich im Moment nur erahnen, aber renommierte Wissenschaftler sind sich im Ergebnis einig: Die Konsequenzen gleichen einem ökologischen Armageddon! Fast über 30 Jahre hinweg haben Forscher in akribischer Arbeit bergeweise Daten gesammelt. Das Ergebnis fiel schlimmer aus als erwartet. Nicht nur die Masse der einzelnen Individuen ist in den vergangenen Jahren auffällig schnell zurückgegangen, sondern auch die Artenvielfalt schwindet dahin wie das Eis der Arktis. Doch wer ist eigentlich verantwortlich für den starken Rückgang, der im Übrigen nicht nur bei den Insekten festzustellen ist? Die globale Klimaerwärmung, veränderte Lebensräume oder die extensive Landwirtschaft? 

 

Bauern unter Generalverdacht

 Dass vielerorts die Landwirtschaft als Hauptverantwortlicher dieses Dilemmas angezeigt wird, lässt sich tatsächlich unter nüchterner Betrachtung der Faktenlage nur sehr schwer entschärfen. Monokulturen, intensive Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen, Verlust von Hecken und Randstreifen auf den Feldern sowie der massive Einsatz von sogenannten "Pflanzenschutzmitteln" - sprich Pestiziden, Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden - sind die Vorwürfe, mit denen sich die Bauern konfrontiert sehen. Die Bauern jedoch wehren sich heftig gegen die vorgebrachten Vorwürfe und sehen sich in der Opferroller auf der Suche nach Schuldigen. Ihre Argumente: Einer der Gründe, warum wir weniger Insekten auf der Windschutzscheibe fänden, liege an der besseren Aerodynamik (cw-Wert) der Fahrzeuge und daher blieben Insekten einfach nicht mehr so viel an den Scheiben hängen. Zudem gebe es viel mehr Stau auf den Autobahnen und der Verkehr könne dadurch nicht mehr so wie früher fließen, sind einige der simpelsten Erklärungsversuche. Auch hört man vom Bauernbund: Das Insektensterben hänge von mehreren Faktoren ab und die moderne Landwirtschaft könne nicht auf den Einsatz von Neonicotinoide (Sammelbegriff für Insektizide) z. B. im Maisanbau verzichten. Wer ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln fordere, der solle auch eine Alternative im Gepäck haben, so hört man es oft von den Landwirtschaftsverbänden tönen. Jedoch ist diese Argumentation sehr schwach untermauert, denn es gibt biologische Ausweichmittel. Diese sind aber wenig beliebt, da sie meist nur auf eine bestimmte "Schadinsektenart" wirken. Hinzu kommt, das vielerorts Mais nicht mehr als Nahrungsmittel für Mensch und Vieh angebaut wird, sondern mittlerweile auf mehr als 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausschließlich für die Verwendung in Biogasanlagen angebaut wird! Man spricht mittlerweile sogar von einer "Vermaisung" des Landes. Auch hier liegt der Hase im Pfeffer begraben, denn der Aufwand, der betrieben wird, um die Energiepflanze Mais zu gewinnen, liegt deutlich höher als der energetische Nutzen. Davon abgesehen bedeutet Maisanbau Stress für die ohnehin schon geschundenen Böden.

 

Warum überhaupt Gift?

Viele Bauern verstehen den Wirbel, besonders um das umstrittene "Pflanzenschutzmittel" Glyphosat nicht und verweisen auf den hohen Wert des chemischen Mittels. Ohne Glyphosat glauben viele Bauern aufgrund des internationalen Wettbewerbes nicht mehr konkurrenzfähig zu sein und bei Verzicht des Mittels hohe Ernteverluste erwarten und schlussendlich um ihre Existenz fürchten zu müssen. Natürlich ist es anmaßend, allein den Bauern die Schuld an dem dramatischen Rückgang der Insekten zu geben. Auch viele Hobbybauern, Gärtner, Winzer und Obstbaumbesitzer setzen lieber auf die effektive chemische Keule, als biologische Alternativen in Betracht zu ziehen.

 

                            Sterile Gärten

Aber auch immer steriler werdende Gärten und Grünflächen sorgen dafür, dass besonders für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Fluginsekten die Nektarquellen nicht mehr ausreichen, um sie zu ernähren. So wird für einige Nektarsammler der Energieaufwand so hoch, dass die gewonnene Nahrung nicht mehr ausreicht. Viele Hummeln und auch Bienen sterben daher an Entkräftung. Jeder kann bereits mit kleinem Aufwand viel bewirken. Z.B. kleine Flächen auf dem Rasen einfach stehen lassen oder Saatmischungen mit Wildblumen im Garten aussäen. Viele Insekten sind für solche kleine Oasen sehr dankbar und nehmen diese schnell an.

 

Faktor Geld

Wie so oft in der Diskussion geht es natürlich um Geld, viel Geld! Die großen Chemiekonzerne wie Monsanto, BASF und Bayer profitieren am meisten vom Geschäft mit den chemischen Substanzen. Ein Milliardengeschäft! Zwar beteuern die Landwirtschaftsverbände, den Einsatz dieser Giftkeule nicht weiter forciert zu haben, aber auch hier zeigt sich, dass Tatsachen verfälscht dargelegt werden. Denn die Konzentration der Wirkstoffe in den Neonicotinoiden ist heute deutlich höher als noch vor 20 Jahren. Die Mittel sind dadurch noch radikaler in ihrer Wirkung. Hinzu kommt der Einsatz von genmanipulierten Nutzpflanzen, die bereits chemische Wirkstoffe in der Pflanze enthalten, um sie noch resistenter gegen Pilz- und Insektenbefall zu machen. Der Hersteller wirbt damit, dass die Pflanze gesichert ist. Doch aus der anderen Perspektive betrachtet heißt es nichts anderes, als dass die Pflanze chemisch kontaminiert ist und hochtoxische Stoffe beinhaltet, die wir unter anderem auch wieder mit der Nahrung aufnehmen.

 

Verantwortungsverschleppung

Derweil eine hitzige Debatte um die Verantwortlichkeit dieser schlimmen Situation  entfacht ist, geht das Insekten-und Artensterben munter weiter und die giftigen Substanzen gelangen weiterhin in Wasser und Boden. Die Bauern sehen sich von den Medien zu unrecht als Schuldige abgestempelt und fordern neue Untersuchungen. Sie verharmlosen die Situation und rechtfertigen den Chemieeinsatz damit, dass er ja der Sicherung unserer Ernährung diene und der Preis den wir dafür zahlen sei das "ungewollte" Sterben einiger Insekten. 

 

Einig sind sich jedoch alle Insektenforscher: Bei Fortsetzung dieses rapiden Insektenrückgangs werden die Folgen für unsere Umwelt katastrophal sein! 

 

Vielleicht schon bald für immer verschwunden? Der Schwalbenschwanz. 

 

 

 

 

 

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