Hobokocher selber bauen


Begriffserklärung: Hobokocher sind einfache Feuer- bzw- Kochstellen, die durch den sogenannten Kamineffekt funktionieren. In der Zeit der Großen Depression (1929 - 1941) nutzten nordamerikanische Wanderarbeiter, die "Hobos", diese Art von Kocher als Herd und als Feuerstelle zum Wärmen. Heute gibt es von von vielen Outdoor- und Trekkingherstellern eine riesen Auswahl an Hobokochern auf dem Markt. Die Preisspanne ist je nach Typ und Hersteller recht groß und fängt bei ca. zwölf Euro an und hört bei rund einhundert Euro auf. Es gibt aber auch eine günstige Version (rund 10,- EUR) zum selberbauen.

Was wird benötigt?

Um sich einen Hobokocher zu bauen, braucht es weder großes handwerkliches Geschick, noch viel teueres Material. Im Prinzip lässt sich ohne viel Aufwand auch ein solcher Kocher aus einer alten Konservendose fertigen. In meinem Fall habe ich mich für die "Schweden-Version" aus einem Aluminium-Besteckkorb von IKEA entschieden. Die Teile gibt es in dem schwedischen Einrichtungshaus für rund sieben Euro und eignen sich dank ihres Durchmessers von 12 cm hervorragend für diesen Zweck. Vergleichliche Besteckkörbe habe ich aber auch schon bei KIK für unter fünf Euro gesehen. Nun benötigt man eigentlich nur noch eine eine handliche Flex, vier Sechskantschrauben, vier Schlossschrauben, eine feine Feile für Metall (oder alternativ geht auch Schmiergelpapier) sowie das entsprechende Werkzeug für die Schraubenmontage. Dann kann es eigentlich mit dem Bau schon losgehen.

Was ist zu tun?

Als erstes habe ich eine viereckige Öffnung (ca. 5x5 cm) für den Holzeinschub an der Seite mit der Flex reingeschnitten und anschließend die scharfen Ränder mit einer Feile bzw. mit etwas Schmiergelpapier bearbeitet. Eine größere Öffnung als meine 5x5 cm ist durchaus möglich. Danach verschraubt man die vier schweren Schlossschrauben am Boden des Korbes. Aufgrund seiner Höhe von 18 cm liegt der Schwerpunkt vom Kocher mit Kanne recht hoch und kann beim Erhitzen recht leicht kippen. Durch die vier Schlossschrauben wird der Kocher wieder etwas stabiler vom Stand. Zudem entsteht durch diese Schrauben ein größerer Spalt zwischen dem Untergrund und dem Kocherboden, was die Luftzirkulation von unten her nochmals verbessert. Da ich meinen Kocher für den Mischbetrieb - d. h. entweder mit Holz oder mit Spiritus - vorgesehen habe, habe ich vier weitere längere Schrauben etwas unterhalb der halben Höhe vom Kocher eingedreht. Diese vier Schrauben dienen dann als Auflage z. B. für einen Trangia-Spiritusbrenner oder meine Espressokanne. Weiter oben würde ich die Schrauben nicht fixieren, da sonst die Hitze von der Flamme sich nicht richtig entfalten kann und das Erwärmen von Wasser unter Umständen zu einer langwierigen Geschichte werden kann.

Der Hobo im Einsatz

Unter optimalen Bedingungen (Raumtemperatur und windstill) lassen sich so etwa 300 ml Wasser mit dem Spiritusbrenner in etwas weniger als drei Minuten zum Kochen bringen. Bei Wind und kälteren Temperaturen dauert der Vorgang entsprechend länger. Das der Topf wie hier im Bild darunter genau in den Hobokocher etwas eintaucht, ist reiner Zufall. In der Praxis kann der Topf oder die Pfanne auf dem oberen Rand des Kochers ruhig etwas Überhang haben. Das macht rein gar nichts! Auf jeden Fall unbedingt bei Holz als Brennstoff beachten: Einen stabilen feuerfesten Untergrund wählen. Wenn verfügbar am besten eine Steinplatte als Stellfläche nutzen oder ein großer flacher Stein tut es auch. Dies ist besonders in den trockenen Wetterphasen zu beachten, da die Hitze auch nach unten in den Boden entweicht. Das kann unter Umständen tatsächlich gefährlich werden! Zum Beispiel trockener Waldboden ist gerade zu für einen Schwelbrand prädestiniert. Aber auch auf öffentlichen Grillplätzen sollte man es vermeiden, einen Hobokcher mal so eben auf eine Holzbank oder -Tisch zu stellen. Die Brandschäden sind Irreparabel. Daher achtet bitte immer auf den richtigen Untergrund, wenn Ihr draußen mit einem Hobokocher Euer Essen zubereitet oder Wasser erhitzt. Selbst wenn der Boden komplett durchnässt ist, sollte man vorsichtshalber trotzdem immer einen feuerfesten Untergrund verwenden.

Nicht ohne meinen Hobo

Mir persönlich gefällt natürlich der Betrieb mit Holz als Brennstoff am besten. Für mich gibt es einfach nichts gemütlicheres als auf einer schönen Tour, seinen Kaffee oder sein Essen auf dem Hobokocher zuzubreiten. Meine Espressokanne und der Hobokocher ist eigentlich immer mit im Gepäck und hat sich im Dauereinsatz seit fast zwei Jahren toll bewährt. Einziger offensichtlicher Nachteil ist natürlich das sperrige Packmaß. Aber für Ein- oder Zweitagestouren ist das verschmerzbar. Doch das muss jeder letztendlich für sich selbst entscheiden, ob er lieber einen handlicheren Gas-, Spiritus- oder doch den etwas sperrigen improvisierten Hobokocher in seinen Rucksack packt. Selbstverständlich gibt es auch zerlegbare Hobokocher zu kaufen, aber selbstgebaut ist halt selbstgebaut!

Tipp: Beim Holzbetrieb verrußen die Töpfe oder Kannen recht stark. Das lässt sich etwas eindämmen, in dem man auf trockenes Buchenholz zurückgreift. Nadelhölzer rußen erfahrungsgemäß aufgrund des höheren Harzgehaltes deutlich mehr. Doch sind die Gefäße eingerußt, muss man deswegen auch nicht gleich verzweifeln. Anschließend nach dem Gebrauch lässt sich schon einmal der gröbste "Schmutz" mit etwas feuchten Moss (Unterseite vom Moos verwenden (wirkt fast wie ein Ako Pad) entfernen. Zuhause ist dann nochmal etwas Nacharbeit mit einem Seifen-Reinigungspad aus Stahlwolle angesagt, um die Gefäße wieder für den nächsten Einsatz herzurichten.

Der selbstgebaute Hobokocher aus einem IKEA-Besteckkorb im Einsatz mit Holz als Brennstoff.

Der Kaffee ist innerhalb von 3 Minuten fertig!

Fazit:

Der selbstgebaute Hobokocher ist sicherlich nicht die beste Wahl, wenn man auf Gewicht und Packmaß achten muss. Ist man aber nicht darauf angewiesen, dann macht es zum einen einen Riesenspaß den Kocher zu bauen und ihn anschließend bei seinen Outdoor-, Bushcraftaktivitäten einzusetzen. Für mich ist der selbstgebaute Hobokocher mittlerweile ein fester Bestandteil und ich setze ihn bei jeder Witterung - fast immer mit Holz als Brennstoff - ohne Probleme ein. Für Menschen, die gerne Zeit viel draußen verbringen möchten und nicht unbedingt viel Geld für einen allwettertauglichen Kocher ausgeben möchten, ist der Bau eines Hobokochers eine sehr preiswerte Alternative zu den käuflichen Markenkochern.

Pilzpfanne auf dem Hobo bei Starkregen und sehr hoher Luftfeuchtigkeit.

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