Unterwegs im Werbetal


Direkt am Naturpark Kellerwald-Edersee liegt etwas versteckt das idyllische Werbetal mit dem 185 Seelendörfchen Ober-Werbe. Nordwestlich des kleinen Dorfes erhebt sich die schroffe Kalksteinfelswand des Langen Steines, auf der eine mittelalterliche Klosterruine dem Zahn der Zeit trotzt. Neben dieser reizvollen Kulisse soll sich auch eine Höhle am Ortsrand befinden. Grund genug für mich, um die Gegend mal etwas genauer zu erkunden.

Über einen kleinen Zugangsweg zum Friedhof des Ortes am Ortsausgang erreiche ich bereits nach wenigen Minuten die alte Klosteranlage oberhalb des Dorfes. Auf einer Infotafel erfahre ich, dass es sich bei der Ruine um die Überreste des Benediktinerklosters St. Maria aus dem 12. Jahrhundert handelt. Das Kloster wurde

nach der Reformation (1578) aufgelöst und zu einer gräflich-waldeckischen Meierei (Molkerei) umfunktioniert. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges und dem Bau einer neuen Meierei unterhalb des Klosters im Dorf (1640), setzte der schleichende Verfall der Gebäude ein. Seit dieser Zeit ist die Anlage ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und zudem Brutstätte für den selten gewordenen Wanderfalke. Ich genieße den herrlichen Ausblick über das beschauliche Dörfchen und entdecke dabei einen schmalen Pfad, der weiter hinauf zum Naturschutzgebiet Langenstein geht. Über diesen Weg gelange ich entlang einer Viehweide zu einem beeindruckenden Felsen, der hoch über dem Tal tront und von dessen Sockel ich einen fantastischen Blick über das wunderschöne Werbetal beschert bekomme. Dieser Platz läd regelrecht dazu ein, für ein gemütliches Päuschen noch etwas zu verweilen. Plötzlich tauchen zwei Buben aus dem Ort auf und wir kommen

schnell ins Gespräch. Sie kennen den Felsen wie ihre Hosentasche und erzählen mir, dass sie hier oft am Klettern sind. Über die beiden erfahre ich aber auch ein kleines Dorfgeheimnis. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tals, soll sich verborgen in einem kleinem Waldstück, eine kleine Höhle befinden. Die Jungs zeigen mir von der Felsposition aus, in welche Richtung ich wandern muss, um zur Höhle zu gelangen. Nachdem ich mich von den beiden verabschiedet habe, setze ich meinen Erkundungstripp weiter fort und folge einem Pfad, der hinunter ins Dorf führt. Unten angekommen, laufe ich entlang der Werbe, dem namensgebenden Nebenfluss der Eder und bestaune nochmals die Klosterruine aus einer anderen Perspektive.

Nach ungefähr anderthalb Kilometer erreiche ich das beschriebene Waldstückchen, in dem ich auf die Höhle stoßen soll. Etwas abseits des Weges erkenne ich im Wald eine langezogene Felswand. Hier bin ich richtig! Von dieser hatten mir die beiden Jungs als Orientierungshilfe erzählt. Gespannt, ob ich die Höhle auch tatsächlich

finde, dringe ich langsam tiefer ins Dickicht ein. Irgendwo dort muss auch die Höhle sein. Nach einigen Metern entdecke ich einen dunklen Spalt im Felsen. Ist das die Höhle? Mit jedem Schritt, steigt auch die Gewissheit die Höhle gefunden zu haben. Erstaunt stelle ich fest, dass neben der Höhle eine Strickleiter am Fels befestigt ist, mit der man die Felsen erklimmen kann. Zu meiner Überraschung ist die Höhle groß genug, um dort zu nächtigen. Nicht sehr komfortabel, aber zumindest trocken!

Die Kalkfelsen hier im Werbetal stammen von einem Zechsteinmeer, dass vor ca. 290 Mio. Jahren an die nördlichen Hänge des Kellerwaldes brandete. Mir fällt es doch etwas schwer zu begreifen, dass hier mal einst eine rauschende Meeresbrandung war. Die Werbe hat über die Jahrmillionen sich tief in das Tal eingeschnitten und diesem seine heutige Form verliehen. Der kleine Klettersteig soll nicht ungenutzt bleiben und ich mache mich auf den Weg über die Leiter hinauf auf die Felsen. Für anspruchsvolle Kletterer dürfte das Areal allerdings kaum reizvoll sein, denn die Felsen hier an der Stelle sind nicht sonderlich hoch und die hohen Bäume erlauben keinen Blick ins Tal. Trotzdem komme ich auf meine Kosten und bin noch immer von der kleinen Höhle angetan, die ich sicherlich mal bei einer weiteren Bushcraft-Tour in der Ecke als Lagerplatz einplanen werde.

Erwähnt sei auch noch für geschichtlich Interessierte, dass kurz hinter dem Ortsausgang von Ober-Werbe in Richtung Basdorf, links ein kleiner unscheinbarer Stichweg in den Wald hinein geht. Nach ungefähr 200 m kommt man an eine alte knorrige Buche, die von großen Steinen umfriedet ist. Laut Aussage der Dorfbewohner, ist der Platz 1934 von Adolf Hitler persönlich unter dem Namen "Freiheitsbuche" eingeweiht worden. Warum dies ausgerechnet in Ober-Werbe geschah, konnte ich bisher nicht herausfinden.

Das Naturschutzgebiet Langenstein im Werbetal ist eine Reise wert und bietet einige interessante Sehenswürdigkeiten rund um das Dörfchen Ober-Werbe.

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