Roadtrip - In 4 Wochen durch Skandinavien (Teil 4)


Norwegens überwältigende Landschaft ist mit Worten kaum beschreibbar. Während das schwedische Lappland mit seinen Weiten einem dem Atem stocken lässt, so besticht Norwegen mit zerklüfteten Gebirgszügen, Fjorden und schneebedeckten Berggipfeln mit Gletschern. Zu einen der besonderen Highlights auf meiner Tour zählte sicherlich der Besuch auf den Lofoten, die eher vom recht milden Klima des Golfstromes im Nordatlantik begünstigt werden.

Glücklicherweise gelang es mir die Inselgruppe der Lofoten bei schönen Wetter zu besuchen, was dank seiner Lage am Atlantik gar nicht so einfach ist. Nicht selten stellt sich tagelanger Dauerregen ein. Um so mehr war ich sehr erfreut diese einzigartige Landschaft bei fast noch spätsommerlichen Wetter und milden Temperaturen von knapp +15°C zu erleben. Die Nähe zum Golfstrom lässt auf dem Archipel Viehzucht mit Schafen und Ziegen sowie etwas Ackerbau zu. Man kann auch durchaus sagen, hier trifft mediterraner Charme auf skandinavische Melancholie. Zu meiner Überraschung traf ich in dem Städtchen Bjerkvik auf waschechte Marburger, die Europa für ein ganzes Jahr bereisen wollen. Seit Juli war das Pärchen in Skandinavien schon mit ihrem VW Bus unterwegs. Wie klein doch manchmal auch die sonst so große Welt sein kann.

Am 19. September bewegte ich mich dann wieder in Richtung Süden und erreichte alsbald die norwegische Stadt Narvik, die während des Zweiten Weltkrieges hart umkämpft war. Aufgrund seiner Eisenbahnanbindung zu den großen Eisenerz-Abbaugebieten in Nordschweden rund um Kiruna erlebte die gesamte Region -auch auf der See - von April bis Juni 1940 schwere Gefechte. Das Wetter wechselte von Regen über Schnee, bis hin zu sonnigen Abschnitten und bescherte mir immer wieder traumhaft schöne Motive mit unbeschreiblichem Lichtverhältnissen und mega satten Farben. Mein nächstes Ziel sollte der Rago-Nationalpark in der Nordland-Provinz sein, den ich aber schweren Herzens aufgrund seiner ungünstigen geografischen Lage im Dauerregen und Nebel nur wenig von seinem grandiosen Antlitz preisgab, links liegen lassen musste.

Am Folgetag erreichte ich den Saltfjellet-Svartisen-Nationalpark und machte Stop am Infocenter des Parks und bekam einen tollen Einblick in die Flora und Fauna der Region sowie neue Erkenntnisse über die samische Bevölkerung und deren Leben mit den Rentieren. Nicht weit entfernt davon kreuzte ich den Polarkreis. Dieses Mal (leider) in südliche Richtung. Am Polar-Circle-Center kam ich ins Gespräch mit einem Mitarbeiter, der eigentlich in Schweden sein zu Hause hatte. Er erzählte mir, dass in zwei Wochen das Center schließt und erst wieder Anfang Mai seine Pforten öffnet. Zudem wies auch er mich darauf hin, dass in diesem Jahr der Winter ungewöhnlich früh in die Region einkehrte. Zu meiner Freude spendierte er mir zum Abschied noch einen leckeren Kuchen und einen Kaffee, bevor ich meine Fahrt weiter Richtung Süden fortsetzte.

Mittlerweile blieb der Schnee oberhalb von 600 Meter liegen und die Berggipfel winterten immer mehr ein. Südlich des Saltfjellet-Svartisen-Nationalparks in der Nähe von Mo i Rana wollte mir eigentlich noch den Svartis-Gletscher (Svartis = Schwarzeis) ansehen. Den Gletscher erreicht man am besten über den Svartisvatnet-See. Für gewöhnlich bringen einen Boote über den See. Allerdings hatte der dortige Bootsdienst bereits Anfang September seinen Betrieb für die Saison eingestellt und der Wanderpfad war aufgrund der Niederschläge unpassierbar. Etwas leicht enttäuscht darüber besorgte ich mir in einem Laden 500 Gramm frischen Lachs, den ich mir dann abends über dem Lagerfeuer in der gusseisernen Pfanne zubereitete. Über den Fisch fiel ich dann wie ein ausgehungerter Wolf her und zog mich dann in den warmen Schlafsack zurück.

Bereits in der Nacht stellte sich Dauerregen ein und ich setzte schon am frühen Morgen meine Fahrt weiter in Richtung Korgen Oldeneset fort, wo ich eine Bergwanderung im Gråfjellet eingeplant hatte. Am Fuße des Berges begegnete ich einer Schülergruppe, die sich zusammen mit Ihrem Lehrer für das anstehende Wochenende Eisklettern im Gebirge vornahmen. Nach einem interessanten und freundlichen Gespräch trennten sich unsere Wege und die Gruppe bewegte sich mit Sack und Pack in die verschneite Bergwelt. Auf knapp 1.100 Meter erreichte ich ein mächtiges Altschneebrett aus dem Vorjahr, das fast schon einen gletscherähnlichen Charakter aufwies. Der stärker werdende Schneefall erschwerte zunehmend nicht nur die Sicht, sondern sorgte auch dafür, dass die Markierungen

vom Wanderpfad auf den Steinen mehr und mehr unter dem Schnee verschwanden. Ein Steinschlag, der sich durch eine herabgefallene Eisplatte löste sorgte dafür, dass ich meine weiteren Aufstiegspläne etwas überdenken musste. Am späten Nachmittag steuerte ich dann einen kleinen Campingplatz an, um mal wieder zu duschen und meine Klamotten irgendwie ein wenig trockener zu bekommen. Feuchter Schlafsack und Poncholiner sind auf die Dauer bei Nachfrost irgendwie suboptimal. Was ich jedoch nicht ganz bedacht hatte, war der Umstand, dass einige Campingplätze zu der Zeit schon mehr oder weniger nur noch im "Notbetrieb" laufen und nicht mehr wirklich auf Gäste eingestellt sind. Demzufolge hatte ich zwar eine angenehm temperierte Dusche genossen, aber der Aufenthaltsraum eignete sich eher zur Kühlung von Lebensmitteln und es war drinnen kälter als draußen. Da ich ja ohnehin nicht vor hatte auf dem Campingplatz länger zu verweilen als nötig, suchte ich mir trotz des miesen Wetters ein Plätzchen draußen für die Nacht. Jedoch gestaltete sich die Suche dieses Mal als äußerst kompliziert, da es in Norwegen nicht wie bei uns alle paar Meter Feldwege oder Waldwirtschaftswege gibt. Die erschwerten Bedingungen durch die aufgeweichten Böden setzten meinem Auto, trotz Allradantrieb klare Grenzen. Nur mit viel Geschick und Ruhe in der Situation gelang es mir den Wagen nicht in einem Sumpf hoffnungslos fest zu fahren. Die einsetzende Dunkelheit machte es zudem nicht einfacher. Wieder zeigte sich zudem eine alte Scout-Tugend als tauglich, dass es durch aus sinnvoll ist, unbekanntes Gelände zunächst zu Fuß zu erkunden und dann erst mit dem Fahrzeug nachzuziehen. Amüsanterweise stellte ich später am Abend noch fest, dass mittlerweile alle Sachen ihren festen Platz im Auto hatten und es mich verwirrte, wenn sich der Kocher oder das Essbesteck nicht an seinem vorgesehenen Platz befand. Wie ich dann dem schlechten Wetter einen Haken schlug und was mir noch alles spannendes in Westnorwegen und auf dem Rückweg widerfuhr, erfahrt Ihr dann im fünften und letzten Teil meiner Skandinavientour.

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